In meinem Garten gibt es keinen Tag, an dem alles fertig ist. Es gibt nur Tage, an denen ich hinschaue, gieße, jäte, zurückschneide oder einfach nur stehen bleibe und beobachte, was gerade wächst. Genauso verstehe ich Gesundheit. Sie ist kein Zustand, den ich einmal erreiche und dann behalte, sondern ein Prozess der Pflege, der sich jeden Tag neu zeigt. Eine gesunde Lebensführung bedeutet für mich, diesem Prozess Aufmerksamkeit zu schenken, mit all seinen jahreszeitlichen und persönlichen Besonderheiten.
Gesundheit ist Pflege, nicht Zustand
Ein Garten braucht zu jeder Zeit etwas anderes. Im Frühling ist es das Ausdünnen, im Sommer das Gießen, im Herbst das Ernten, im Winter das Ruhenlassen der Erde. Kein Schritt ersetzt den anderen, jeder hat seine Zeit. Genauso verhält es sich mit Körper, Geist und Seele. Jeder Bereich braucht eigene Aufmerksamkeit, zur jeweils richtigen Zeit, und die Pflege all dieser Bereiche zusammen bringt eine innere Balance hervor, die für mich der eigentliche Gesundheitsfaktor ist. Nicht die Abwesenheit von Beschwerden macht gesund, sondern die fortlaufende, liebevolle Zuwendung zu dem, was gerade gebraucht wird.
Schlaf als Regeneration im Einklang mit deinen Rhythmen
Schlaf ist für mich die Regeneration, die im Einklang mit den eigenen Rhythmen geschieht. Nicht jede Nacht braucht dieselbe Menge, nicht jede Lebensphase denselben Rhythmus.
Wer auf seine natürlichen Schlaf- und Wachzeiten hört, statt sie zu erzwingen, schenkt seinem Körper genau die Erholung, die er gerade braucht.
Maßvolle Bewegung statt Leistungssteigerung
Bewegung ist unverzichtbar, doch das Ziel sollte niemals Leistungssteigerung sein. Mir geht es um den Erhalt von Beweglichkeit. Gelenke sollen beweglich bleiben, die Atmung soll frei fließen können, der Geist soll zur Ruhe kommen.
Sanfte Gymnastik, Atemübungen oder meditative Bewegungsformen wie Tai Chi oder Qi Gong sind aus meiner Erfahrung völlig ausreichend, um diesen Erhalt zu unterstützen. Man muss sich nicht verausgaben, um sich lebendig zu fühlen.
Ein kleiner Selbstcheck für dich:
Nimm dir heute fünf Minuten und bewege deine Gelenke bewusst und langsam, Schultern kreisen, Nacken drehen, Fußgelenke rollen. Achte dabei nur auf deinen Atem. Das reicht bereits, um deinem Körper zu zeigen, dass du ihn wahrnimmst.
Bewusste Ruhe als Gegengewicht
Neben der Bewegung ist die Fähigkeit, bewusst Ruhe zu finden und zu halten, ebenso wesentlich für die Balance zwischen Körper, Geist und Seele.
Eine ständige Überforderung, ob körperlich oder mental, ist genauso schädlich wie Bewegungsmangel. Beides bringt dich aus deiner Mitte.
Es geht immer wieder um das individuelle Maßhalten, und dieses Maß verändert sich im Laufe des Lebens. Im Alter braucht es andere Antworten als in der Jugend, und das ist vollkommen richtig so.
Ernährung als Ausdruck von Körper, Geist und Seele
Auch die Ernährung gehört für mich zu dieser Ausgewogenheit zwischen Körper, Geist und Seele.
Ich habe für mich gelernt, dass sich Ernährung über die Lebensphasen hinweg verändert, und dass das gut so ist. Was mir mit dreißig gutgetan hat, ist heute nicht mehr das, was mein Körper braucht.
Besonders die ayurvedische Sichtweise auf unterschiedliche Konstitutionstypen hat meinen Blick dafür geschärft, wie individuell Ernährung eigentlich ist. Es gibt nicht die eine richtige Ernährungsweise für alle, sondern nur die, die zu dir und deiner aktuellen Lebensphase passt.
Für mich persönlich hat sich herauskristallisiert, dass mir warmes Essen besonders guttut. Es wärmt nicht nur den Körper, sondern beruhigt auch meinen Geist, besonders in den kühleren Jahreszeiten, aber auch wenn es draußen warm ist.
Vor kurzem habe ich einen Artikel von Dr. Sandra Bürklin in der Zeitschrift Natur und Heilen gelesen, der sich mit der Traditionellen Chinesischen Medizin und ihrem Blick auf Ernährung beschäftigt. Er hat mich in meiner Denk- und Lebensweise bestärkt, denn auch die TCM betrachtet Nahrung als etwas, das im Einklang mit der jeweiligen Jahreszeit und der individuellen Konstitution stehen sollte. Diese Bestätigung von außen hat mir gezeigt, wie wichtig es ist, intuitiv auf den eigenen Körper zu hören und zu spüren, was er gerade braucht, statt starren Regeln zu folgen.
Mit den Jahreszeiten leben
Seit vielen Jahren ist es mein Motto, mit den Jahreszeiten zu leben. Ich achte bewusst darauf, was draußen in der Natur passiert. Was bedeutet der Frühling, was der Sommer, was der Herbst, was der Winter? Wie geht es mir damit, wie fühle ich mich.
Diese Beobachtung auf den eigenen Lebenszyklus zu übertragen, auf das Organsystem, auf den Geist, ist für mich essenziell.
In meinem Garten sehe ich diesen Wandel jeden Tag. Die Pflanzen, die im Frühling sprießen, ziehen sich im Winter zurück, ohne dass das ein Rückschritt wäre. Es ist einfach ihre Zeit der Ruhe.
Wenn ich mein Leben diesem natürlichen Rhythmus annähere, finde ich eine Ausgewogenheit, die kein starrer Plan mir geben könnte.
Fazit
Gesunde Lebensführung ist für mich kein Ziel, das man einmal erreicht, sondern ein fortlaufender Prozess der Pflege, so wie ein Garten ihn braucht.
- Schlaf im Einklang mit den eigenen Rhythmen,
- maßvolle Bewegung ohne Leistungsdruck, bewusste Ruhe,
- eine Ernährung, die zur jeweiligen Lebensphase passt, und
- ein Leben im Rhythmus der Jahreszeiten, all das ergibt eine innere Balance, die ich als eigentlichen Gesundheitsfaktor verstehe.
Es lohnt sich, immer wieder hinzuschauen, was gerade gebraucht wird, so wie man es in einem Garten tut.
Wenn du spüren möchtest, wo deine eigene Balance gerade steht, begleite ich dich gerne dabei, deinen individuellen Rhythmus wiederzufinden.
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